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Ergebnisqualität im AWO Psychiatriezentrum

HoNOS - Beurteilung der Behandlungsqualität

Qualitätssicherung und damit auch eine systematische Erfassung der Qualität der Ergebnisse von Behandlungen gewinnt im deutschen Gesundheitssystem aus unterschiedlichen Gründen zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde zu Anfang 2017 mit der HoNOS (Health of the Nation Outcome Scales) im AWO Psychiatriezentrum ein störungsübergreifendes Fremdbeurteilungsinstrument eingeführt, welches in drei verschiedenen Versionen für Kinder- und Jugendliche, Erwachsene und Menschen im höheren Lebensalter vorliegt. Die HoNOS werden im psychiatrischen Kontext u. a. in Italien, Dänemark, der Schweiz und den Niederlanden routinemäßig eingesetzt und ermöglichen den ärztlichen und psychologischen Behandlern im APZ, zu Therapiebeginn und -ende den Schweregrad von psychischen Beschwerden und Einschränkungen des Patienten in standardisierter Form zu erfassen. Zusätzlich werden im Behandlungsverlauf vierwöchentlich Verlaufskontrollen vorgenommen.

Nach Einführung und Etablierung des Instrumentes ab dem zweiten Quartal 2017 kamen die HoNOS 2018 erstmals für ein vollständiges Jahr zum Einsatz. Hierbei lagen die Quoten in den verschiedenen Kliniken des APZ für die vorgenommenen Aufnahmemessungen zwischen 91 und 100% und für die Entlassungsmessungen zwischen 89 und 99%. Bei 8778 Aufnahmen und 8735 Entlassungen im Jahr 2018 konnten so 6743 vollständige Datensätze in die Auswertung für das Jahr 2018 eingehen. Im Jahr 2019 lagen in den meisten Kliniken unverändert hohe Quoten für Aufnahme- und Entlassungsmessungen mit 90-100% vor, hier konnte ein sogenannter „Deckeneffekt“ erreicht werden. Lediglich im Bereich Abhängigkeitserkrankungen wurde gegenüber 2018 bei ähnlichen Fallzahlen ein Einbruch der Quoten um ca. 1/3 festgestellt.

Die Durchführung der HoNOS zu Beginn und zu Ende der Behandlung ermöglicht es, sogenannte Prä-Post-Effektstärken als Maß für die Wirksamkeit der Behandlung zu berechnen. Die Effektstärke bezeichnet ein standardisiertes statistisches Maß, das die Größe eines Effektes angibt. Dabei spiegeln Werte ab 0,2 einen schwachen Effekt wider, ab 0,5 spricht man von einem mittleren Effekt und Effektstärken größer als 0,8 weisen auf eine hohe Wirksamkeit hin. Zieht man als Vergleich somatische Therapien heran, so weist beispielsweise die Durchführung einer Polychemotherapie bei Brustkrebs eine kleine (0,24), die Gabe von Metformin zur Reduktion des Blutzuckerspiegels bei Diabetes hingegen eine große Effektstärke (0,87) auf.


Wie Abbildung 1 zu entnehmen ist, werden in nahezu allen Kliniken des APZ hohe Effekte erreicht, was auf eine wesentliche Reduktion der Symptombelastung gemäß der Einschätzung der Therapeuten hinweist und damit für eine insgesamt hohe Effektivität der Behandlung im APZ spricht.

Selbstbewertung nach DSM 5

Zusätzlich zur Fremdbeurteilung wurde im zweiten Quartal 2019 in der Klinik für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie, der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie der Klinik für Gerontopsychiatrie eine systematische Selbstbeurteilung der Patienten mittels eines Symptomfragebogens eingeführt. Eine erste und vorläufige Auswertung der bisher erhobenen Daten spiegelt auch hier hohe Effektstärken wider. Eine umfassende Auswertung der Ergebnisse der klinischen Fremd- und Selbstbeurteilung aus dem laufenden Jahr soll Anfang 2020 erfolgen.

vorläufige Auswertung 1.4. - 31.12.2019

 

Ergebnisse der Patientenbefragung 1. Halbjahr 2020

Das AWO Psychiatriezentrum Königslutter führt eine kontinuierliche Patientenbefragung durch, dessen Ergebnisse in halbjährigem Rhythmus zusammenfassend ausgewertet werden.

Die Patientenbefragung findet in den Kliniken für Allgemeinpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Psychosomatik und der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen statt. In der Klinik für Gerontopsychiatrie wird mit Rücksicht auf die Patienten ein verkürzter Fragebogen mit nur einem Teil der Fragen ausgegeben. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat einen eigenen, auf die Bedürfnisse der Kinder angepassten, Fragebogen.

Die Beteiligung an der Befragung ist durchschnittlich gut, im 1. Halbjagr 2020 ist vereinzelnd Corona-bedingt wenig Rücklauf (Stationen sind geschlossen, weniger Patienten). Die Patienten haben die Möglichkeit eine Bewertung zwischen 1 (sehr gut) und 4 (schlecht) abzugeben. Je niedriger die Kennzahl ist, desto besser ist das Ergebnis.

Seit 2012 liegt die Zufriedenheit der Patienten über alle Jahre und über alle Themenbereiche im Durchschnitt bei 1,7, also einem deutlich guten Ergebnis.

Von den insgesamt 34 Fragen sind jeweils die drei besten Werte im 1. Halbjahr 2020

  • Wie erleben Sie insgesamt die MA auf Ihrer Station. (1,32)
  • Die Pflegekräfte sind bei Bedarf hilfsbereit. (1,30)
  • Die Pflegekräfte sind freundlich und zugewandt. (1,32)

Die „schlechtesten“ Ergebnisse vom Wert her, aber dennoch im guten Bereich, sind zu finden bei:

  • Therapeutische Angebote: Die Organisation der Termine ist gut. (2,08)
  • Ich werde über die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente ausreichend und verständlich informiert. (1,98)
  • Ich bin mit der Anzahl der therapeutischen Gespräche zufrieden. (1,92)

     

    Die Ergebnisse der Patientenbefragung in der KJP sind durchschnittlich besser als im Erwachsenenbereich. Die besten Bewertungen sind bei:

    • Die Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes sind bei Bedarf hilfsbereit. (1,26)
    • Die Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes sind freundlich und zugewandt. (1,35)
    • Die Ärzte/-innen und Psychologen/-innen behandeln mich freundlich und einfühlsam. (1,30)

    Nicht so gut bewertet wurden:

    · Ich werde über die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente ausreichend und verständlich informiert. (1,75)

    • Ich werde ausführlich und verständlich über meine Krankheit informiert. (1,73)
    • Die Ärzte/innen bzw. Psychologen/-innen haben mich hinreichend aufgeklärt über die Ergebnisse der Untersuchungen (Diagnosen). (1,73)

     

    Die Angehörigenbefragung in der KJP weist im Gesamt-Mittelwert der einzelnen Fragen sehr gute bis gute Bewertungen auf.

    Die Angehörigenbefragung der Gerontopsychiatrie ist im 1. Halbjahr 2020 coronabedingt nicht valide aufgrund der geringen Beteiligung.

    Die Patienten haben die Möglichkeit Lob, Wünsche, Beschwerden als Freitext im Fragebogen bzw. über das Lob- und Beschwerdeformular zu formulieren. Diese Angaben werden in einer Tabelle zusammengeführt.

    Häufiges Lob gab es für:

    • Gespräche mit dem Pflegepersonal haben gut geholfen
    • Gespräche mit dem Therapeuten haben gut geholfen
    • Freundliche Atmosphäre

    Wünsche wurden geäußert zu:

    • Therapeutische Gespräche nicht ausreichend
    • Bessere Aufklärung Medikamente und Nebenwirkungen
    • Kreativbereich/ zu wenig Therapie (Ergo)

    Der Gesamteindruck vom Haus liegt im 1. Halbjahr 2020 im sehr guten Bereich und hat einen Gesamt-Mittelwert von 1,45.

    Zertifizierungsergebnisse

    DIN EN ISO 9001:2015 und AWO Normen - AWO Tandem

    Aus dem Auditbericht der DQS zum Überwachungsaudit 2020 - Zusammenfassung:

    Das AWO Psychiatriezentrum mit angeschlossener Forensik gehört zu den größten und leistungsfähigsten psychiatrischen Fachkrankenhäusern in Niedersachsen. Es bietet ergänzend zur vollstationären Behandlung im Mutterhaus, ebenso teilstationäre Therapien in den mittlerweile 6 Tageskliniken, unterschiedlicher Ausrichtung, sowie ambulante Behandlungen in den lnstitutsambulanzen und der ambulanten psychiatrischen Pflege an. Als ein Alleinstellungsmerkmal ist das umfassende Angebot an speziellen Therapieformen und die Behandlung seltener, spezifischer psychiatrischer Erkrankungen zu sehen.

    Die beiden Managementhandbücher für die Psychiatrie und die Forensik mit den Prozesslandkarten und den dazugehörigen Dokumentationen zum Qualitätsmanagementsystem sind konform zu den Anforderungen nach ISO 9001:2015 und AWO Qualitätskriterien. Diese erweisen sich als ein hochentwickeltes, reifes QMS, das einer stetigen Verbesserung unterliegt. Das AWO PZ hat alle relevanten internen und externen Aspekte, welche Einfluss auf die strategische Ausrichtung und deren Zielsetzung haben könnten, bestimmt. Die Risiken wurden erneut betrachtet und auf alle Teilbereiche und Stationen heruntergeregelt und anschließend übergreifend ausgewertet.

    Der Schwerpunkt in der Umsetzung der neuen Normanforderungen bezieht sich auf die Prozessorientierung und Verbesserung der Prozessqualität (neue VA's zu den Kernprozessen), Chancen- und risikobasiertes Denken, Wissen und Bewusstsein, sowie dem Ausbau des Projektmanagements.

    Eine systematische strategische Planung unter Berücksichtigung relevanter interner und externer Parteien ist im AWO- PZ sichergestellt. Relevante interne und externe Themen fließen kontinuierlich in die Klinik- und bereichsspezifische Strategie- und Zielplanung ein. Der intensive Austausch und die grundsätzlich sehr gute Vernetzung mit den interessierten Parteien gewährleisten die Erfüllung derer Erwartungen und Anforderungen.

    Die 4 definierten Kernprozesse (Aufnahme, Diagnostik, Therapie, Entlassung) sind für den klinischen Bereich, sowie die relevanten Prozesse des Verwaltungsbereiches festgelegt. In den verschiedenen Klinikbereichen liegen zusätzliche Klinik- und bereichsspezifische Verfahren und Prozesse vor. Für die Forensik wurde aufgrund der vielen Unterschiede ein separates QM-Handbuch mit den Kernprozessen erstellt.

    Zukunftgeber

    Zukunftgeber ist eine Auszeichnung, die besonders attraktive Arbeitgeber der Region erhalten können, wenn sie attraktive Rahmenbedingungen für ihre Arbeitnehmer schaffen. Das AWO Psychiatriezentrum hat das Zertifikat "Zukunftgeber" der Allianz für die Region erworben. Das APZ wurde in insgesamt neun Kategorien geprüft und hat sich den zentralen Fragen nach Flexibilität, einzelnen Angeboten und Anreizen gestellt. 

    Insgesamt wurden Bestnoten in allen Kategorien erreicht: Ernährung und Gesundheit, attraktive Verdienstmöglichkeiten, Familienfreundlichkeit, Personalentwicklung und Qualifizierung, Digitales, Innovation, Kommunikation und Transparenz, Mobilität und Anbindung, Freiräume und Komfort sowie Verantwortungsbewußtsein.

    Künftig wird sich das APZ alle zwei Jahre einer Re-Zertifizierung stellen, um den Titel Zukunftgeber weiter führen zu dürfen.

    Beruf und Familie

    Die Arbeitsgruppe Beruf und Familie freut sich mitteilen zu können, dass die berufundfamilie ggmbH dem AWO Psychiatriezentrum das Zertifikat audit Beruf und Familie erneut für drei Jahre – bis zum 31.Oktober 2019 – bestätigt hat. Im Rahmen der Re-Auditierung wurde der Bestand der Angebote zur Vereinbarkeit begutachtet und weiterführende Ziele einer familienbewussten Personalpolitik definiert. Die daraus resultierenden Maßnahmen werden innerhalb der Laufzeit des Zertifikats umgesetzt. Ende Juni wurden in Berlin alle Zertifikatsträger von Dr. Katarina Barley, der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, durch Überreichung des Zertifikats ausgezeichnet. Eine nachhaltige, familienbewusste Arbeitgeberpolitik
    nimmt weiter einen hohen Stellenwert im APZ ein.

    Demografiefest

    Die Demografieagentur hat im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung öffentliche Verwaltungen und Unternehmen ausgezeichnet, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung und des demografischen Wandels stellen. Unter den ausgezeichneten Betrieben war auch das AWO Psychiatriezentrum (APZ) vertreten und hat das Zertifikat „Demografiefest 4.0 – Sozialpartnerschaftlicher Betrieb“ erhalten.
    2018 waren die Themen Demografie und Digitalisierung inhaltlicher Schwerpunkt des Zertifikats. Demnach suchte die Demografieagentur interessierte Betriebe aus, die bereits zukunftsorientierte Maßnahmen durchgeführt haben und dabei sozialpartnerschaftlich handeln. Die Betriebe erhalten das Zertifikat zunächst für zwei Jahre. Dann werden die gemeinsam mit der Demografieagentur und dem jeweiligen Unternehmen festgelegten Zielvereinbarungen überprüft. 

    Qualitätssicherung

    Generalindikator Dekubitusprophylaxe

    Ein Dekubitus ist eine durch länger anhaltenden Druck entstandene Wunde der Haut bzw. des darunterliegenden Gewebes. Dieses Wundliegen ist eine sehr ernst zu nehmende Komplikation bei zu pflegenden Personen. Es kann in Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen und als Folge lange andauernder Bewegungs- oder Bewusstseinseinschränkung auftreten. Dementsprechend sind besonders häufig ältere Menschen von einem Dekubitus betroffen.

    Im QS-Verfahren Pflege - Dekubitusprophylaxe geht es darum, Patientinnen und Patienten vor der Entstehung eines Dekubitus zu schützen, da dieser für Betroffene größtenteils mit erheblichen Schmerzen, einer langen Heilungsdauer und unter Umständen mit einer mehrmonatigen Pflegebedürftigkeit verbunden ist. Neben einer aufwendigen Wundversorgung können im Extremfall Operationen zur plastischen Deckung der entstandenen Haut- und Weichteildefekte erforderlich sein. Verhindert werden kann die Entstehung eines Dekubitus durch angemessene vorbeugende (prophylaktische) Maßnahmen. Die Versorgung der Druckwunden im APZ erfolgt durch qualifiziertes Pflegepersonal, 4 besonders ausgebildete Wundmanager unterstützen die Behandlung.

    Im AWO Psychiatriezentrum Jahr 2019 betraf dies 45 Patienten (0,53%) von insgesamt 8.437 stationär behandelten Patienten. Von diesen 45 Patienten wurden 19 (42,2%) bereits mit einem entsprechenden Dekubitus in das Krankenhaus eingeliefert. 

    Die vollständige Auswertung der Qualitätssicherung können Sie hier herunterladen.

    Qualitätsbericht

    Ansprechpartner

    Die Auswertung zur Qualitätsmessung der medizinisch-therapeutischen Leistungen  mit der HoNOS und der DSM5 betreut der Leitende Psychologe Kristof Hückstädt. Die Organisation und die Auswertung der Ergebnisse des Beschwerdemanagement, der Patientenbefragung, des Qualitätsbericht und der externe Qualitätssicherung liegt in den Händen der Qualitätsmanagementabteilung. Die Organisation und Begleitung der Zertifizierungen ist in verschiedenen Fachabteilungen angesiedelt.

    Kontakt

    Leitung Qualitätsmanagement
    Frau Monika Hilbert-Jansen
    Tel.: 05353 90-1451

    Referentin Qualitätsmanagement
    Frau Kathrin Zellmer-Beeke
    Tel.: 05353 90-1452