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Forensische Ambulanz

Die Behandlung durch die Forensische Institutsambulanz (FIA) ist ein zeitlich begrenzter Zwischenschritt (hier § 63 StGB-Patienten im Regelfall 3 Jahre, für § 64 StGB-Patienten im Regelfall 1 Jahr) ab der Bewährungsentlassung aus dem stationären Setting bis zur anschließenden Weiterbetreuung durch die allgemeinpsychiatrischen Versorgungssysteme, z. B. niedergelassener Nervenarzt, sozialpsychiatrischer Dienst, Suchtnachsorgeinstitutionen etc.

Im Rahmen einer Entlassung aus der stationären Maßregel ordnet die Strafvollstreckungskammer für den Betroffenen nicht nur an, dass er der Führungsaufsicht untersteht und einen Bewährungshelfer zugeordnet bekommt, sondern dass er auch verpflichtend den Anordnungen der Forensischen Institutsambulanz nachkommt, z. B. Gesprächstermine in der Klinik für Forensische Psychiatrie wahrnimmt (empfangende Betreuung), Vor-Ort-Termine in seinem Lebensumfeld, z. B. in seiner Wohnung akzeptiert (aufsuchende Betreuung) sowie jegliche anderen Anordnungen, z. B. regelmäßige Medikamenteneinnahme durchführt und sich eine z. B. erforderliche Depot-Medikation spritzen zu lassen. Die Kontaktfrequenz zwischen Patient und FIA kann in der Anfangsphase durchaus zweimal wöchentlich sein, pendelt sich später auf Kontakte alle zwei, in einer dann zunehmend noch stabileren Phase auch auf einmal im Monat ein (abwechselnd empfangen bzw. aufsuchend).

Die Forensischen Institutsambulanzen, inzwischen in Niedersachsen flächendeckend eingerichtet, können wirksam:

  • Rückfallrisiken reduzieren
  • erneute Delikte vermessen
  • die Sicherheit der Allgemeinheit verbessern
  • die Verweildauer im Maßregelvollzug reduzieren

Für eine forensische Nachsorge sind folgende Merkmale essentiell:

  • Kontinuität im Sinne einer personellen und informellen Konstanz. Das bedeutet, dass die Nachsorge grundsätzlich von Mitarbeitern der entsprechenden Abteilung übernommen werden sollte, die den Patienten schon kennen und damit über alle erforderlichen Informationen verfügen. Dadurch wird zum einen die Risikoabschätzung (Kriminalprognose erstellen bei jedem Kontakt!) gewährleistet, zum anderen kann dadurch dem rückfallbegünstigenden Moment des Beziehungsabbruches entgegen gewirkt werden (Beziehungskonstanz)
  • Professionalität bedeutet in diesem Zusammenhang die jahrlange Kenntnis oder Besonderheiten des Maßregelvollzuges und der dort versorgten Patienten, wobei die Profession (Berufsgruppe) sekundär ist
  • Kooperation im Sinne der regelmäßigen Beteiligung an Helferkonferenzen (Risk- und Case-Management)
  • Mobilität bedeutet die praktisch jederzeitige Möglichkeit, den Patienten an seinem Lebensort aufzusuchen
  • Transparenz im Sinne der uneingeschränkten Offenheit gegenüber allen an der Nachsorge beteiligten Institutionen und Diensten

  • Kriseninterventionsfähigkeit im Sinne der Entwicklung entsprechender Interventionspläne, einschl. der jederzeitigen Möglichkeit der Rückverlegung

  • Fort- und Weiterbildungskompetenz zur Verbesserung der fachlichen Qualifikation, z. B. im Heimbereich, die gleichzeitig die Bereitschaft zur Aufnahme solcher Patienten stärkt aber auch für die Mitarbeiter aus dem Justizbereich

Wir sichern allen Mitarbeitern in Nachsorgeeinrichtungen zu, bei Verschlechterung des psychischen Zustandes oder Verhaltensauffälligkeiten bei von ihnen betreuten Maßregelpatienten umgehend auch eine stationäre Krisenintervention mit Rückführung des Patienten zur Krisenintervention in unserer Klinik für Forensische Psychiatrie in Königslutter durchzuführen!

 

Forensische Instituts- ambulanz (FIA)

Öffnungszeiten
Tag und Nacht durchgehend erreichbar
Mo–Fr. Tel.: 05353 90-2770
Sa+So. Tel.: 05353 90-2730 oder 05353 900